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 Zum Umgang der "Medienpartner" miteinander

  Ob Redakteur, Reporter, Sprecher oder Pressewart, ob An-, Be- oder Freigestellter: Ohne eine Spur Sendungsbewusstsein und Spass an Kommunikation kommt man wohl kaum zu so einem Job. Doch gerade zwischen denen, die etwas mitzuteilen haben, und denen, die dieses, natürlich kritisch geprüft, verbreiten sollen, "klappt" es oft garnicht.
   Allzu oft stehen einem erfolgreichen Miteinander missverstandene oder nie hinterfragte Einschätzungen über die Arbeit und Rolle des Anderen im Weg. Die Folge: Man redet und handelt aneinander vorbei, auf Dauer entstehen sich laufend bestätigende aber doch falsche Klischees und der Erfolg der Arbeit bleibt unbefriedigend. Dabei sind es nur wenige Punkte, die zu beachten garnicht so schwer ist, und die die ersten Schritte zu einem wahren Miteinander sein können...


5 Regeln für Sprecher, Ansprechpartner und andere Öffentlichkeitsarbeiter


1. Zeigen Sie, dass Ihr Anliegen das Wichtigste ist!

   Machen Sie in Gesprächen mit der Presse, einleitend in allen Mitteilungen und eingeschoben in alle Erklärungen deutlich, dass die Unternehmung, für die Sie stehen das Thema Nummer Eins ist. Scheuen Sie sich nicht, regelmäßig die Berichterstattung über andere Themen als Ihres für mindestens drittrangig zu bezeichnen. Weisen Sie immer wieder darauf hin, dass Sie es sich nicht vorstellen können, dass Beiträge ohne Bezug zu Ihrem Anliegen relevant für die Leser, Hörer oder Zuschauer seien sollen.

2. Betrachten Sie die Medien als Dienstleister und bestehen Sie auf Qualität!

   Überprüfen Sie regelmäßig die Qualität der Berichterstattung, nicht nur über Ihr Thema (falls man auch über Anderes berichtet). Teilen Sie den Redaktionen alle Qualitätsmängel umgehend mit. Schüchternheit ist hier fehl am Platz: Man ist auf Ihre Mitarbeit angewiesen. Nicht nur die Verantworlichen Redakteure sind dankbar für Hinweise auf Druckfehler, unpassende Formulierungen (gut sind eigene Vorschläge für Verbesserungen), die Fremdwörterschwemme oder Bildmotive, von denen Sie bessere Aufnahmen haben. Erinnern Sie laufend daran, dass Sie Abonnent oder Gebührenzahler sind. Besser noch: Verweisen Sie immer wieder darauf, dass Sie Anzeigenkunde sind, oder zumindest einen solchen persönlich kennen. Außerdem sollten Sie regelmäßig auf gelungene Beiträge von Mitbewerbern hinweisen.

3. Vertrauen Sie der Ausbildung und Ausstattung der Kollegen von der Presse!

   Journalisten können recherchieren, dass ist ihr Job. Kürzen Sie bei schriftlichen Mitteilungen ruhig Vornamen und Projektbezeichnungen ab, auch scheinbar komplizierte Eigennamen dürfen handschriftlich übermittelt werden (am Besten per Fax). Für Daten und Uhrzeiten empfehlen sich Kurzformen, so wie Abkürzungen ohnehin angebracht sind. Beschreibungen von Anfahrtswegen, Hinweise auf eingeladene Referenten oder die Nennung von Projektträgern schrecken eher ab, als dass sie einladen. Eckdaten und Personalien dürfen als den Medien bekannt vorausgesetzt werden, schließlich gehört zu jeder Redaktion ein Archiv (das Ihnen natürlich auch offen steht). Sollte die Dokumentation einer Redaktion Lücken aufweisen, stehen den Journalisten unzählige Datenbanken und Bibliotheken zur Verfügung. Und zwar weltweit und rund um die Uhr. Denken Sie daran: Auch Journalisten wollen zeigen, was sie können!

4. Informieren Sie zeitnah!

   Redaktionen sind Büros, in denen laufend auf unterschiedlichsten Wegen Informationen und Materialien eintreffen. Sehr schnell geht hier etwas den falschen Weg oder gar "unter". Riskieren Sie nicht, dass Ihre mühevoll geschriebene Ankündigung oder Einladung wirkungslos bleibt. Denn selbst wenn der Adressat erreicht wird, ist die Gefahr groß, dass der Termin "vergessen" wird. Also: Sparen Sie sich den Vorlauf, eine E-Mail oder ein Anruf einen Tag vorher tut es auch. Einen Sonderfall stellen die sogenannten "Freien" dar. Zum einen üben sie meist noch andere Tätigkeiten aus. Deswegen kann man nicht erwarten, dass sie sich wochenlang auf einen Termin vorbereiten. Zum anderen sind sie aufgrund der Auftragslage immer für eine "Story" dankbar. Hier tut es zwei Stunden vorher der Anruf auf dem Handy, bei Ganztags-Anlässen oder Morgen-Terminen am Abend vorher (nach acht Uhr abends haben auch diese Menschen den Kopf wieder frei).

5. Informieren Sie umfassend!

   "Think global ~ act local" sollte nicht nur das Credo für Wirtschaftsunternehmen und Politiker sein. "Heimatnah und weltoffen" ist nicht umsonst immer noch mehr als ein historisches Motto im Titel vieler Heimatzeitungen. Die Dinge im Kontext zu sehen ist Handwerk für Journalisten. Ein Umstand, den man nutzen kann, ja muss. Auch wenn eine Pressekonferenz, ein Hintergrundgespräch oder ein Interview ein Thema hat, sollten Sie es sich nicht nehmen lassen, ihr Medien-Gegenüber umfassend über andere Ereignisse im Einzugsgebiet, Ihre Beurteilung von Entwicklungen der Gesellschaft im Allgemeinen und ihre Einschätzung der weltpolitischen Lage zu informieren. Als Abrundung können Sie eigene Familiengeschichten oder Anekdoten aus dem Freundeskreis einfügen. So entwickeln sich interessante Gespräche, die sogar ab und an sogar den ursprünglichen Anlass in den Hintergrund treten lassen.

5 Regeln für Reporter, Redakteure und andere Berichterstatter


1. Zeigen Sie, dass Sie für die Nummer Eins berichten!

   Die "Nummer Eins" ist keine Frage von Titel, Auflage oder Reichweite. Allein, dass Sie berichten wollen oder dass man Sie anruft oder anschreibt, zeigt, dass sie "top" sind. Und das dürfen Sie auch repräsentieren: Erscheinen Sie, gehen Sie oder rufen Sie an, wann es Ihr übervoller Terminplan zulässt, oder besser: es vorschreibt. Machen Sie frühzeitig deutlich, welche Tagesordnungspunkte, Vorträge oder Gäste Sie interessieren. Nehmen Sie Ihren berechtigten Anspruch wahr, zu jeder Zeit mit jeder Person ein Interview, einen Fototermin oder ein Hintergrundgespräch haben zu können. Gelegentlich werden Sie auch betonen müssen, dass es sich die Nummer Eins garnicht leisten könnte, Fehler zu machen. Wenn es dennoch zu "Pannen" gekommen ist, reagieren Sie aber auch nachsichtig auf überzogene Kritik. Schließlich sind Sie der Profi, auch wenn Ihnen die Zeit fehlt, zu recherchieren, wo der Übermittlungsfehler seine Ursache hat.

2. Bewahren und betonen Sie Ihre Unabhängigkeit!

   Ein Garant für Demokratie sei die Unabhängigkeit der Medien, so sagt man wohl nicht zu Unrecht. Besinnen Sie sich immer darauf! Was eine "Story" ist, bestimmen Sie. Auch, welches Gewicht ein Thema bekommt. Absprachen sind bestenfalls ein für Sie unverbindliches Mittel, die Recherche zu erleichtern. Das Ankündigungen einen terminlichen Bezug haben, kann man so sehen und so, oder auch anders. Wie auch immer: Wann was erscheint und überhaupt, entscheiden Sie. Pressekonferenzen, Pressegespräche oder Präsentationen mit Verköstigungen oder Rahmenprogramm nehmen Sie nur mit dem Hinweis auf Ihre Unbestechlichkeit wahr. Die Veröffentlichung von konkreten Stellungnahmen, Positionsbeschreibungen von mehr als drei Sätzen Länge oder ausformulierten Forderungen von Parteien, Bürgerinitiativen und Interessengemeinschaften lehnen Sie mit dem Hinweis ab, Sie seien kein Sprachrohr von irgendwem. Unter Umständen kann es auch sinnvoll sein, an die Anzeigenabteilung oder die kooperierende Werbeagentur zu verweisen. Anders sieht es natürlich aus, wenn Sie vom Sommer-, Herbst,- Winter,- oder Sonstigemloch erwischt worden sind: Beziehen Sie Position, schließlich haben Sie publizistische Verantwortung der Gesellschaft und ihren Organen gegenüber, und der Leserschaft sowieso.

3. Vertrauen Sie Ihren Informanten!

   Sie haben es schließlich mit ambitionierten Leuten zu tun, die direkt an der Quelle sitzen, und die mehr Zeit als Sie für eine "Geschichte" aufbringen können in die Erstellung und Verteilung der Ihnen vorliegenden Informationen investiert haben. Schon allein um der Glaubwürdigkeit willen sind Ihre Informanten um Sachlichkeit und Objektivität bemüht. Verschwenden Sie Ihre wertvolle und teuer bezahlte Zeit nicht für das sogenannte "Nachrecherchieren". Sollten Sie auf scheinbare Unrichtigkeiten, auf Unklarheiten oder Lücken stoßen, können Sie sich ein "Nachhaken" auch sparen: Vergessen Sie nicht, dass sie es meistens mit Menschen zu tun haben, deren Pressearbeit nur Teil Ihrer Aufgaben ist, von denen Sie sie nicht abhalten sollten.

4. Machen Sie Ihre Arbeit transparent ~ aber nicht zu sehr!

   Was von außen betrachtet "die Medien" oder "die Presse" sind, ist ja in Wirklichkeit viel feiner strukturiert. Machen Sie diese filigranenen Konstrukte und ihre horizontalen und vertikalen Vernetzungen im Dialog mit Informanten transparent. Mit Interesse wird man vernehmen, welche Themen Ihr Chef vom Dienst schätzt, welcher Werbeblock welchen redaktionelle Teil ersetzen musste, welches Ressort vielleicht unter Umständen bei Eintritt bestimmter Situationen zumindest teilweise für bestimmte Themen zuständig werden könnte, wenn die Quartalszahlen stimmen. Besonders beliebt sind Einschätzungen der Arbeit von Kollegen und Mitbewerbern. Übertreiben Sie es aber nicht mit der Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache. Es geht niemanden außerhalb Ihrer Redaktion an, wenn Ressortleiter oder zuständige Redakteure gewechselt haben, und schon garnicht, wenn sich Annahmetermine oder Telefonnummern ändern.

5. Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche!

   Schon vor dem Schreiben müssen Sie aus dem Wust von Informationen Unwichtiges, wie zum Beispiel Hintergründe, Trends oder Prognosen von den wirklich wichtigen Aspekten trennen. Vergessen Sie auch das klassische "Wer? Wann? Was? Wo? Wie? Warum?". Gefragt sind Fakten wie "Was kostet das?" (Wer bezahlt, ist nur relevant, wenn es der Staat, das Land, die Kommune ist). Gefragt sind Meldungen wie sie die Kollegen oder Mitbewerber haben. Deren Erkenntnisse können Sie getrost ohner Weiteres übernehmen, oder bei Bedarf komplett ins Gegenteil verkehren. Erfolgversprechende Elemente jeglicher Berichterstattung sind auch die jeweils aktuelle Top-Randgruppe oder der jeweils aktuelle Spitzen-Prügelknabe (natürlich unter Beachtung der Political Correctness und der Ausrichtung Ihres Auftraggebers, Verlages oder Senders). Wichtig: Die Konzentration auf das Wesentliche fängt schon im Gespräch mit Informanten an. Man wird es Ihnen danken, dass Sie einen konkreten Rahmen für die Zusammenarbeit festlegen.

3 Tatsachen, derer man sich bewusst sein sollte


1. Es gibt keinen "falschen" Zeitpunkt!

   Man kann immer und überall alles, aber wirklich alles ansprechen oder nachfragen. Medienberufe ergreift man aus Berufung, Flexibilität ist da ein Muss. Meinungsaustausch und Informationsfluss sind nun mal impulsiv geprägte kreative Prozesse und kennen keine Geschäftszeiten, Arbeitsablaufpläne oder Tagesordnungen.

2. Kommunikation ist auch ohne Sie immer und überall!

   Wer Informationen verbreiten und vermitteln will, muss immer und überall auf mindestens drei Arten erreichbar sein und immer und überall in der Lage, Informationen aufzubereiten und weiterzugeben. Man erwartet das von Ihnen, und Sie dürfen das erwarten.

3. Der Konjunktiv ist das A und O!

   Die "Möglichkeitsform des Verbs" ist mehr als pure Grammatik oder Stil. Die Verwendung des Konjunktivs garantiert Aufmerksamkeit und sichert dauerhaftes Interesse. Keine Vision, kein Szenario kann so unmöglich sein, dass sich die Verbreitung der Vorstellung nicht anbietet. Auf ein Thema angewandt, lässt sich immer wieder darauf zurückkommen. Für ausgiebigen Gebrauch spricht auch die dem Konjunktiv eigene Unverbindlicheit.


  © Februar 2006 ·