ddahlke.de ·Momentaufnahmen ·Anhang


 Appendix

  Momentaufnahmen sind eben Momentaufnahmen. Danach geht es weiter, meist mit fortschreitendem Verfall, dem Aufgeben von Ideen, manchmal mit dem Scheitern von Projekten, nicht selten mit Abriss. Manchmal scheint sich aber auch etwas im Hintergrund zu bewegen. Oder das für einen Moment betrachtete Objekt erwacht zumindest für eine kurze Zeit zu neuem Leben. Oder aber es entsteht etwas Neues aus dem Alten.

  So zum Beispiel im Fall von Hamburgs letzter erhaltenen Auswandererhalle. Im Sommer 2003 veranstaltete der Wilhelmsburger Künstler Werner Schaarmann gleich zwei vielbeachtete Aktionen im Zusammenhang mit dem Gebäude, dem Gelände und dem Thema Auswanderung über Hamburg. Ausgestattet mit Kamera und Schreibzeug befragte Schaarmann vor Ort Migranten und stellte den so gewonnenen Bildern und Aussagen historisches Material gegenüber. In einer weiteren Aktion führte Schaarmann auf dem Gelände der ehemaligen Auswandererstadt Grabungen und freilegende Arbeiten am Gebäude selbst durch. Die Ergebnisse wurden in der Halle ausgestellt, zugleich gab es eine Reihe gut besuchter Führungen durch die Ruine.

  Im Sommer 2004 ließ die stadteigene Sprinkenhof AG das Gebäude mit Beschlägen und S-Draht gegen unbefugtes Betreten sichern.
  "Land in Sicht" hieß es im Spätsommer 2004. Eine Theatergruppe des Gymnasiums Kirchdorf-Wilhelsmburg und das Projekt "Williams @ Wilhelmsburg" der Geschichtswerkstatt in der Honigfabrik führten in der Halle ein Bühnenstück zur Auswanderung von Hamburg nach New York auf. Ende November dann ging das Stück auch in New York über die Bühne. Aufgeführt von den Wilhelmsburger Schülern, Titel: "Land in Sight".
  Im Herbst 2004 ging die Handelskammer Hamburg mit ihrer "Entwicklungsperspektive für die Elbinsel" an die Öffentlichkeit. Darin sind auch konkrete Pläne für ein Auswanderermuseum "BallinStadt" skizziert.
  Der Senat habe sechs Millionen Euro bewilligt, um auf dem Gelände ein Auswanderermuseum zu bauen, meldete dpa Ende Dezember 2004. Die Kosten für das Projekt "Ballinstadt" belaufen sich laut dpa und Handelskammer auf neun Millionen Euro, die Lücke soll durch Spenden und private Investoren geschlossen werden. Als Termin für den Baubeginn wurde 2005 genannt.

  Anfang Dezember 2005 wurde der Grundstein für die "Ballinstadt" gelegt. Auch das Umfeld verändert sich. Bereits im Sommer 2005 war die "Zollhafen-Promenade" eingeweiht worden, bis Sommer 2006 soll das gegenüber liegende Ufer erhöht und verschönt sein.
  Im Dezember 2005 wurde begonnen, die letzte erhaltene Halle abzubrechen.

November 2005
  November 2005

  Anfang Februar 2006 berichtete das Hamburger Abendblatt, es sei strittig, ob die Rückwand des Gebäudes erhalten bleiben soll und kann. Ein Gutachten sollte Klarheit bringen. Derweil ruhen die Abbrucharbeiten.

Januar 2006
  Januar 2006

  Im März 2006 ist auch der letzte Mauerrest entweder eingerissen worden oder eingestürzt. Übrig blieb ein Trümmerhaufen.

März 2006
  März 2006

  Nach Wochen wurde der historische Abraum Anfang Mai 2006 entfernt.
Mitte Mai 2006 wurden Pläne bekannt, das Areal zwischen dem geplanten Museum und dem S-Bahnhof Veddel für die Dauer der Fußball-WM als Parkplatz für Reisebusse zu nutzen. Das Herrichten der Fläche soll demnach mehrere 100.000 Euro kosten.
Ende Mai schließlich wurde der Baubeginn verkündet. Nicht für einen Busparkplatz, sondern für die "BallinStadt". Demnach soll auf einem Fundament von Stahlbetonpfählen Rekonstruktionen mehrerer Gebäude in Ziegelbauweise entstehen. Ende Februar 2007 sollen die Bauarbeiten beendet sein und die Eröffnung der "BallinStadt" ist für Mitte des Jahres geplant.

  Am 4. Juli 2007 - dem Nationalfeiertag der USA - sollen die BallinStadt und drumherum der BallinPark feierlich eröffnet werden. Das meldete das Abendblatt Mitte Oktober 2006. Währenddessen gehen die Bauarbeiten rapide voran.
Mitte September war Richtfest für die rekonstruierten Hallen, im Oktober wurde die Verkehrsfürung des Veddeler Bogens geändert.

  Anfang Dezember berichtete das "elbe-Wochenblatt" über die Bauarbeiten zum BallinPark. 60 Bäume entlang des Zollhafens sind dem Bericht nach gefällt worden, in etwa genauso viele sollen die neue Grünanlage bilden. Der Grund: Das gesamte Areal wird für den Flutschutz um 1,50 Meter "angehoben", das hätten die alten Bäume nicht überlebt. Neu angepflanzt werden sollen heimische als auch nordamerikanische Ahornarten.

  Bedingt auch durch den bislang milden Winter sind die Bauarbeiten am Georgswerder Bogen zügig voran gegangen.

Januar 2007

Januar 2007
  Januar 2007

  Derweil konkurrieren offensichtlich zwei Namen für das Projekt: Neben dem bekannten "BallinStadt" hört und liest man auch immer öfter "Port Of Dreams".

   Ein Bestandteil des nun fast fertig gestellten Auswanderermuseums soll das Denkmal "Wings Of Hope" sein". Im März 2007 melden das Hamburger Abendblatt und das Blog "hh-heute" die begehbare Skulptur soll ihren Platz nicht wie geplant auf dem Gelände der Ballinstadt finden, sondern auf dem "Wilhelmsburger Platz" am gegenüberliegenden Ufer des Zollhafens.
Am 4. Juli 2008 - dem amerikanischen Unabhängigkeitstag und ein Jahr nach der Eröffnung der BallinStadt - soll der Platz umgestaltet sein und das Denkmal aufgestellt.

  Am 4. Juli 2007 wurde die "Ballinstadt" eröffnet und der Öffentlichkeit übergeben.
Seit etwa dieser Zeit wird die Ballinstadt auch in der Online-Enzyklopädie "wikipedia" aufgeführt.
Anfang Juli 2007 bekam die S-Bahn Haltestelle "Veddel" den Zusatz "Ballinstadt".

  Im Dezember 2007 äussert sich die katholische Kirche Deutschlands kritisch zu Konzept und Gestaltung der Ausstellung:
"Die Ballinstadt sagt von sich selbst, dass sie vor allem in Richtung Infotainment geht, und lehnt den Titel Museum ab. Im Gegensatz zum Deutschen Auswandererhaus in Bremerhaven ist sehr viel Wert auf Unterhaltung und Augenfälligkeit gelegt worden. Hamburg hat hier eine Chance verschenkt, stärker den Bogen von der Geschichte hin zur aktuellen Aus- und Einwanderung schlagen können."

  Am 4. Juli 2008, ein Jahr nach Eröffnung der Ballinstadt, soll davon unweit auf dem Wilhelmsburger Platz, die Skulptur "Wings Of Hope" aufgestellt werden.
"Ein optisch signifikantes Zeichen, das in Richtung Westen auf Ellis Island weist, wird ergänzt um gebogene Betonmauern, die zu Ehren der Auswanderer wie der Einwanderer errichtet werden", so die Ausstellungsleitung.

April 2008
  April 2008

Derzeit grünt es dort derzeit noch unaufgeregt...

Ein Jahr später grünt es dort wieder - schön und unaufgeregt. Vor einigen Wochen berichteten unter anderem das Hamburger Abendblatt und der "Neue Ruf", dass die Planungen für die Umgestaltung des Wilhelmsburger Platzes eingestellt wurden. Und auch die Idee der "Wings Of Hope"-Skulptur wurde demnach aufgegeben.
  (April 2009)

  Es wäre müßig, all die Promis aufzuzählen, die inzwischen ihr Domizil in der Villenkolonie Neubabelsberg gefunden haben, oder dort auch wieder wegziehen. Was die Bewohner angeht, ist es dort, wie es immer war und bleibt dieser Teil von Potsdam das, was er immer war. Ein Gebäude, das frühere Haus des Verlegers Müller-Grothe zieht jedoch immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich:
  1995 scheiterte die lokale PDS mit ihrer Idee, an der "Truman-Villa" eine Gedenktafel anzubringen, die daran erinnern sollte, dass der damalige US-Präsident Harry S. Truman im August 1945 von hier aus den Befehl zur Zündung der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki gegeben haben soll.

  Am 25.09.1998 brannte die Villa aus, den Ermittlungen nach wurde das Feuer von Einbrechern gelegt. Das Gebäude an sich konnte gerettet werden, große Teile des Inneren, darunter auch Trumans einstiges Büro wurden zerstört.

  Seit Ende der 1990er Jahre ist die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung Eigentümerin der Villa. Im Sommer 2002 versuchte deren Vorstand erfolglos, den Platz vor dem Gebäude in "Truman-Platz" umzubenennen. Grund: Die Adresse "Karl-Marx-Straße 2" wurde als unpassend empfunden. Man löste das Problem intern, die Anschrift lautet nun "Friedrich-Naumann-Stiftung, Truman-Haus, Karl-Marx-Straße 2".

  Im März 2007 macht eine andere Villa dieser Siedlung von sich Reden. Für mehr als drei Millionen Euro wird die Villa Quandt saniert, berichtet der Tagesspiegel. In dem Gebäude sollen das Theodor-Fontane-Archiv, das Potsdamer Literaturbüro und die Stiftung Preussische Schlösser und Gärten ein neues Domizil finden. Die Kosten für den Umbau in Höhe von 3,2 Millionen Euro teilen sich den Angaben zufolge das Land Brandenburg und die Hamburger Reemtsma-Stiftung.

  Im Frühjahr 2009 eskalierte der Streit zwischen einigen der heutigen Grundstückseigentümer und der Stadt Potsdam, beziehungsweise dem Land Brandenburg. Höchstrichterlich abgesegnet düfen sie nun auch wesentliche Teile des Uferstreifens ihr eigen nennen. Planungen für einen öffentlich zugänglichen Uferpark am Griebnitzsee scheinen damit obsolet.
  (April 2009)


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